Das Internet ist voller Leute, die man nie treffen würde

Moin,

wenn ich meine Twitter Timeline so lese und mich auf etwaigen Treffen so umschaue, dann wird mir klar, dass dieses “Internet” voller Menschen ist, die ich im normalen Leben gar nicht kennen würde. Sei es, weil ich sie gar nicht ansprechen würde (na gut, ich spreche eh nie jemanden an, aber wenn)  oder schlicht und ergreifend, weil man sich weder geographisch noch beruflich jemals begegnen würde.

Da gibt es Promis, mit denen man plötzlich per du ist, da gibt es Personal Trainer, die an mir reich werden könnten, aber mich niemals zu Gesicht bekämen, Politiker, Zahnärzte, Schüler, Studenten jeder couleur und so weiter und so fort. Aber etwas haben sie gemeinsam: sie nutzen das Internet, können schreiben (in meinem Umfeld sogar fehlerfrei und in ganzen Sätzen) und sie haben keine Berührungsängste.

Naja, zumindest nicht im Internet. Viele dieser Menschen, will man im echten Leben aber auch gar nicht kennen. Sie wären einem peinlich, zu albern, zu gekünstelt zu jung, zu alt, zu verrückt. Im Internet ist das egal. Da lässt man sich schon morgens beim Frühstück von neurotischen Besserwissern unterhalten, verbringt die Mittagspause mit minderjährigen Geeks und schaut abends gemeinsam mit allen TV und lästert über die Sendung.

Was im Internet nett und spleenig ist, wäre im echten Leben nervig und idiotisch, wer sich in 140 Zeichen amüsant und interessant gibt, ist in der Realität ein nörgelnder Langweiler und wer online die Liebe deines Lebens sein könnte, riecht im RL komisch und bringt dich mit seinen Eigenschaften an den Rand des Wahnsinns.

Ich behaupte immer, ich wäre ich selbst, ich würde mich nicht verstellen. Bewusst mache ich das auch nicht. Ich erfinde keinen glamourösen Job, erfolgreichen Freund oder ähnliches, da mir diese Lügengeschichten schlicht zu anstrengend wären. Ich bin ich und was ich schreibe, denke ich auch – aber ich schreibe nicht, was ich denke… ich halte mich zurück. Das ist ebenfalls eine Art der Verstellung. Trotz allem nicht man selbst sein, weil man nur einen Teil veröffentlicht. Ich schreibe schon, dass ich keine Lust auf Gäste habe und soziale Pflichten furchtbar finde. Aber schriftlich kann man das alles noch irgendwie charmant rüber bringen…

Also, wie weit verstellt ihr euch? Was sind eure Erlebnisse mit “Den Leuten aus dem Internet”, die ihr auf einmal real getroffen habt?

Edit: Es scheint, als würde mein Eintrag den Eindruck erwecken, als wäre ich gegen die Internetbekanntschaften, das stimmt so aber nicht! Ich habe durchaus auch neue RL Freunde übers Internet gefunden und sonst würde ich da auch nicht so viel rumhängen 😉

Aber es gibt eben auch immer mal wieder diese Diskrepanzen, die entweder nicht vorherzusehen waren und niemandes Schuld sind (jemanden “nicht riechen können”) oder eben die Erkenntnisse, dass sich manche Menschen eben doch verstellen.

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Comments ( 5 )

  1. ReplyRumpelkasten

    Na, das ist ja die Fortsetzung unseres gestrigen Gesprächs. Bin gespannt auf die Antworten. Meine Position kennste ja schon.

  2. ReplyBenjamin

    Hallo! Also, mit den teils sehr interessanten Menschen, die ich übers Netz getroffen habe, verstand ich mich immer super. Vor allem wenn man auf der selben Wellenlänge getickt hat und sich öfters geschrieben hat. Gemeinsame gleiche Hobbys bringen einen ja immer zusammen zu Gesprächen. Allerdings habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht ..oder mein Gegenüber mit mir?! Da dachte man schon, oha.. jetzt bloß hier weg. Ich denke eine Mischung aus gewisser Vorsicht und Neugier sollte man behalten, da kann dann wenig schief gehen :-) Liebe Grüße, Benjamin

  3. ReplyHalliway

    interessantes thema. ob ich mich im internet, spez. bei twitter oder so verstelle? nein, ich bin so wie ich bin. wer mich im realen leben kennt weiss und merkt das auch recht schnell. sich verstellen oder ein "second life" aufbauen, dazu hätte ich weder zeit noch lust. denn irgedwann kommt das immer raus. welche erlebnisse ich mit "leuten aus dem inet" gemacht habe? nur positive. ich war auf einigen forentreffen und sogar einige leute in meiner twitter liste kenne ich noch von damals und somit auch persönlich. selbst meinen mann habe ich damals (vor viiiielen jahren) übers internet kennengelernt *g* es ist also nicht alles schlecht, was dat internet betrifft *grins und zwinker*

    • ReplyMiss Evil

      Ich hab auch Freunde im Internet gefunden, die dann auch in der Realität zu Freunden wurden, also ist meine Haltung gar nicht durchweg negativ. Aber es gibt eben auch die anderen...

  4. ReplyTobias

    Es stimmt schon immer wieder: Mit manchen Leuten schreibst du plötzlich per Du. Ob ich im Reallife auch immer das so sagen würde: Hm, weiß nicht. Doch bisher ist es ja eigentlich recht gut. Wichtig ist vor allem, dass du deine echten Freunde (also die aus deiner Umgebung) nicht verlierst. Und am besten immer sich selbst treu sein und nicht verstellen. Das man nicht immer alles schreibt, was man denkt spricht ja wieder für dich. Das zeigt, dass du den anderen vielleicht nicht auf den Schlips treten willst. ;) Doch das Internet ist eigentlich auch gut. Da kann man gut mit leben. Für die richtig persönlichen Dinge gibts ja immer noch das Gespräch von Auge zu Auge oder Telefon oder E-Mail oder sogar Brief. ;) Doch klar: Deine Erfahrungen sind durchaus berechtigt. ;) Grüße aus Calw, Tobi

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