Verdrehte Welt

Ich fahre oft an einer Pizzeria vorbei und denke immer wieder drüber nach, mal rein zu gehen und noch eben was mitzunehmen. Ist ein Lieferservice, kein Restaurant.

Nun stehen aber immer eine Gruppe junger Männer da rum und gammeln so scheinbar ziellos vor dem Laden herum. Das hält mich davon ab, mir etwas zu kaufen. Nicht, weil ich denke, dass sie mir wirklich was tun würden, aber 20+ jährige, die vor Läden rumhängen, in denen es Alkohol gibt und die in Rudeln auftreten, sind mir als Frau von 1,55m, nicht ganz geheuer. Dazu kommt, dass ich jeglicher Konfrontation ausweiche, sofern möglich und das bedeutet, keine Pizzabrötchen für mich (obwohl die wirklich zu empfehlen sind).

Irgendwann dachte ich mal drüber nach und fragte jemanden, der die Ecke kennt, ob er mir denn was über die Männer sagen könnte und seine Antwort war: Drogendealer.

Und jetzt kommt der verdrehte Teil an der Geschichte: Seit ich weiß, dass die Typen da nur rumstehen, um Gras (oder was weiß ich, was heutzutage so hip ist) zu verkaufen, bin ich ganz entspannt. Denn sie sind für mich nicht mehr “gefährlich” Sie sind bestimmt nicht betrunken, sie wollen keinen Stress, sie haben besseres zu tun, als irgendwelche Frauen anzumachen und warten nur auf Kundschaft. Klar, vielleicht kommt trotzdem ein Kommentar, das weiß man ja nun nie, aber damit kann ich auch leben und zudringlich werden sie bestimmt nicht.

Schon komisch, wenn einem Kriminelle plötzlich harmloser erscheinen, als “normale” Menschen. Aber da zeigt sich halt auch mal wieder, dass es eben nicht die “Normalität” ist, die alles schön und sicher macht. Gut, dass wissen wir längst aus den Nachrichten, dass die, die am lautesten betonen, dass sie normal und anständig sind, die hässlichsten Dinge tun, aber das mal so in seinem eigenen kleinen Leben zu beobachten, ist spannend.

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